Geständnis: Nicht regelmäßig meditieren – obwohl ich Coach für Mentale Gesundheit bin?

Unscharfes Selbstporträt am Meer im Abendlicht zum Blogartikel über nicht regelmäßig meditieren, Resilienz und mentale Gesundheit.

Warum meine Meditationspraxis manchmal leiser wurde – und wie ich mit Milde zurückgefunden habe.

Ich bin Coach für Mentale Gesundheit, ich begleite Menschen dabei, auch über Meditation wieder mehr Kontakt zu sich selbst zu finden – und es gab Phasen, in denen ich selbst nicht regelmäßig meditiert habe.

Das ist mein Geständnis. Und ich schreibe es so direkt, weil ich weiß, dass du das vielleicht kennst: Du weißt, was dir guttun würde. Du weißt, wie Meditation im Alltag wirkt, was sie mit dem Nervensystem macht, warum regelmäßiges Meditieren keine nette Zusatzoption ist, sondern echte Selbstregulation. Und trotzdem verschwindet die Praxis. Wochen vergehen. Manchmal länger.

Wenn ich meditierte, merkte ich den Unterschied schnell. Mein Atem wurde ruhiger, mein Nervensystem fand leichter in Regulation, mein Blick wurde weiter. Gedanken verloren an Druck, und mein Körper signalisierte mir früher, wann ich eine Pause brauchte.

Ich wusste das alles. Und trotzdem gab es Phasen, in denen weniger bewusstes Innehalten in meinen Alltag passte, weniger stille Minuten, weniger echtes Ankommen bei mir.

Kein Dauerzustand – aber eine Erinnerung daran, wie schnell auch hilfreiche Routinen im vollen Leben in den Hintergrund rücken. Gerade dann, wenn man sie am meisten braucht.

Kurzantwort:
Nicht regelmäßig meditieren? Auch als Coach für Mentale Gesundheit gab es Phasen, in denen nicht regelmäßig meditieren zu meinem Alltag gehörte – obwohl ich weiß, wie gut mir diese Praxis tut. Muss man regelmäßig meditieren, um davon zu profitieren? Meine ehrliche Antwort: Kontinuität hilft. Aber Meditation ohne Druck, die nach einer Pause wieder klein anfängt, ist wirksamer als der Perfektionsanspruch, der dich gar nicht erst beginnen lässt.

Nicht regelmäßig meditieren: Warum Wissen allein nicht reicht

Das Unbequeme daran ist: Ich weiß ja, wie gut Meditation wirkt.

Ich kenne die Effekte auf das Nervensystem, auf Stressregulation und Resilienz aus Theorie, Ausbildungen und vor allem aus eigener Erfahrung. Ich weiß, dass regelmäßige Meditation helfen kann, emotionale Reaktivität zu reduzieren, klarer zu denken und früher wahrzunehmen, was im Körper passiert.

Gerade deshalb ist es so interessant, dass ich meine Meditationspraxis manchmal in genau den Phasen loslasse, in denen ich sie besonders gut gebrauchen könnte.

Warum passiert das?

Weil Wissen und Umsetzung zwei unterschiedliche Prozesse sind.

Kleine meditierende Figur mit verdeckten Augen als Symbol für Momente, in denen die eigene Praxis aus dem Blick gerät.
Manchmal merken wir erst später, dass wir uns selbst aus dem Blick verloren haben.

In vollen Zeiten ist auch mein Nervensystem oft stark nach außen orientiert: Termine, Gespräche, Inhalte, Verantwortung, Organisation, Antworten.
Meine Aufmerksamkeit geht dann dorthin, wo etwas gebraucht wird. Meditation lädt mich ein, die Richtung zu wechseln und wieder nach innen zu lauschen.

Und genau das kann schwerfallen, wenn das System schon lange im Funktionsmodus unterwegs ist.

Wenn Meditation zum Anspruch wird

Lange habe ich diese Phasen kritisch bewertet.

Da war sofort der Gedanke: Du begleitest Menschen bei genau diesen Themen. Du weißt, wie wichtig Meditation, Selbstregulation und Resilienz sind. Du solltest das doch besser können.

Dieser Anspruch wirkt auf den ersten Blick motivierend. Bei genauerem Hinsehen erzeugt er oft das Gegenteil.

Denn in dem Moment wird Meditation von einer unterstützenden Praxis zu einer stillen Leistungsanforderung. Plötzlich geht es um Disziplin, Konsequenz und Selbstoptimierung. Aus einer Einladung zur Wahrnehmung wird ein weiterer Punkt auf der inneren Liste.

Mein Nervensystem reagiert darauf mit Druck.

Und Druck ist ein ziemlich ungünstiger Ausgangspunkt für eine Praxis, die eigentlich regulieren soll.

Was mein Nervensystem mir zeigt, wenn ich kaum meditiere

Heute sehe ich diese Phasen anders.

Wenn meine Meditationspraxis unregelmäßiger wird, ist das für mich ein Signal.

Meistens zeigt es mir, dass ich sehr im Außen bin. Ich reagiere viel, gebe viel, strukturiere viel.
Mein Fokus liegt dann auf Funktionieren, Planen und Durchhalten.
Das kann eine Zeit lang gut gehen und auch notwendig sein. Gleichzeitig verliere ich dabei manchmal den Kontakt zu dem, was in mir gerade wirklich passiert.

Buddhafigur in einem hellen Meditationsraum mit Blick in die Natur als Symbol für Stille, Ausrichtung und Rückkehr.
Stille hilft, wieder wahrzunehmen, was gerade wirklich da ist.

Meditation verändert diese Richtung. Sie bringt Aufmerksamkeit zurück in den Körper und ins Erleben.
Genau deshalb ist sie manchmal unbequem.

Wenn ich meditiere, spüre ich Ruhe. Ich spüre aber auch Erschöpfung, innere Unruhe, Druck oder Grenzen, über die ich schon eine Weile hinweggegangen bin. Stille macht sichtbar, was im Alltag leicht überdeckt wird.

Meditation ist für mich deshalb längst kein reiner Entspannungsmoment mehr. Sie ist vor allem ehrlich.

Der wichtigste Unterschied: Wieder anfangen statt perfekt sein

Der größte Lernpunkt für mich liegt im Wiedereinstieg.

Früher dachte ich: Wenn ich wieder meditiere, dann richtig. Täglich. Am besten 20 Minuten. Am besten morgens. Am besten dauerhaft.

Heute weiß ich, dass genau dieser Anspruch die Schwelle oft höher macht. Wenn ich mehrere Wochen kaum meditiert habe, hilft mir selten der große Neustart. Was mir hilft, ist ein kleiner, freundlicher Anfang.

Frau steht in einem hellen Meditationsraum mit Blick in die Natur und findet zurück in ihre Praxis.
Manchmal beginnt Rückkehr mit einem kleinen, freundlichen Anfang.

Ein bewusster Atemzug.
Ein kurzer Moment ohne Input.
Eine Pause zwischen zwei Terminen.
Ein Morgen, an dem ich erst bei mir ankomme, bevor ich in den Tag springe.

Diese kleinen Momente ersetzen für mich keine längere Meditation. Sie öffnen die Tür dorthin.
Sie helfen meinem Nervensystem, wieder in Richtung Regulation zu finden. Und manchmal entsteht genau dadurch wieder der Raum, mich wirklich hinzusetzen. Für zehn Minuten. Für zwanzig Minuten. Für eine längere Meditation, in der ich mir Zeit nehme, ganz im Hier und Jetzt anzukommen.

Dann wird aus einem Atemzug wieder eine Praxis.
Aus einer kleinen Pause wird ein innerer Raum.
Und aus dem Wiedereinstieg entsteht wieder Verbindung.

Meditation braucht keine perfekten Bedingungen, um wirksam zu sein. Aber sie braucht einen Anfang, der erreichbar bleibt.

Du funktionierst. Du bist für andere da.
Aber wann warst du zuletzt wirklich bei dir?

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Was das mit Resilienz zu tun hat

Resilienz bedeutet für mich immer weniger, einen dauerhaft stabilen Zustand zu erreichen, sondern in Balance zu sein.

Balance ist für mich kein Punkt, an dem ich einmal ankomme und dann bleibe. Balance ist Bewegung. Ein ständiges feines Nachjustieren. Wie auf einem Surfboard, wie im Leben, wie im Nervensystem.

Manchmal bin ich mehr im Außen, manchmal mehr bei mir. Manchmal trage ich viel, manchmal brauche ich Rückzug. Manchmal ist mein System weit und offen, manchmal enger, schneller, angespannter.
Entscheidend ist für mich, diese Bewegungen wahrzunehmen und wieder mit ihnen arbeiten zu können.

Meditation hilft mir dabei, diese innere Beweglichkeit zu spüren. Sie bringt mich nicht in einen starren Zustand von Ruhe, sondern in Kontakt mit dem, was gerade wirklich da ist. Von dort aus kann ich mich neu ausrichten.

Gerade deshalb passt Meditation für mich so eng zu Resilienz.
Sie erinnert mich daran, dass ich nicht festhalten muss, was lebendig bleiben will. Ich darf aus der Balance geraten, mich neu sortieren, frei geben, zurückfinden, weitergehen und wieder nachjustieren.

Für mich liegt Resilienz genau in dieser Beweglichkeit.

Kennst du das auch?

Vielleicht geht es dir ähnlich.

Du weißt, dass Meditation dir guttun würde. Oder Bewegung. Oder Pausen. Oder weniger Stress. Oder mehr Schlaf. Vielleicht weißt du sogar ziemlich genau, was dir helfen würde, und trotzdem kommst du schwer in die Umsetzung.

Das ist kein Zeichen von persönlichem Versagen.

Bunte Chakrafahnen im Wind vor blauem Himmel als Symbol für Bewegung, Energie und innere Balance.
Balance ist kein fester Zustand, sondern lebendige Bewegung.

Oft zeigt es einfach, dass dein Nervensystem gerade andere Prioritäten setzt. Vielleicht steht es auf Durchhalten. Vielleicht auf Kontrolle. Vielleicht auf Abarbeiten. Vielleicht auf Außenorientierung.

Der erste Schritt ist oft, zu verstehen, was dein System gerade schützt oder bewältigt. Der nächste ist es anzunehmen. Und erst dann kommt der Anfang, der klein genug ist, dass du ihn wirklich gehen kannst.

Vielleicht reicht für heute eine kleine Frage:

Was würde mich jetzt wieder ein Stück näher zu mir bringen?

Die Antwort darauf ist oft unspektakulär. Ein Glas Wasser. Einmal rausgehen. Drei tiefe Atemzüge. Eine Nachricht später beantworten. Das Handy weglegen. Die Augen schließen und spüren, wo im Körper gerade Anspannung sitzt.

Diese Frage holt mich aus dem Kopf zurück in den Körper. Sie macht aus Selbstfürsorge keine große Entscheidung, sondern den nächsten machbaren Schritt.

Manchmal ist genau dieser kleine Schritt der Anfang von echter Meditation.

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Mein eigentliches Geständnis

Ich bin Coach für Mentale Gesundheit und begleite Menschen dabei, wieder in ihre individuelle Balance zu kommen, ihr Nervensystem besser zu verstehen und ihre Resilienz zu stärken – und auch ich verliere meine eigenen Routinen manchmal aus dem Blick.

Phasenweise. Immer wieder. Ganz menschlich.

Das Leben kommt in Wellen. Es gibt Zeiten, in denen ich leichter bei mir bleibe, und Zeiten, in denen ich mehr im Außen bin. Der Unterschied ist heute, dass ich diese Bewegung besser erkenne und milder mit mir bin, wenn ich aus dem Rhythmus komme.

Ich weiß inzwischen, wie ich zurückfinde. Mit weniger Druck. Mit weniger Anspruch. Mit mehr Verständnis für mich, mein Nervensystem und für das, was gerade wirklich los ist.

Ich glaube genau darin liegt eine wichtige Kompetenz: zu merken, wann wir uns entfernen, ohne daraus sofort ein Urteil über uns zu machen. Wege zu kennen, die uns wieder näher zu uns selbst bringen. Und menschlich genug zu bleiben, um nicht aus jeder Pause ein Scheitern zu machen.

Manchmal beginnt dieses Erinnern mit einem Atemzug. Manchmal mit einem Moment Stille. Und manchmal mit der Bereitschaft, uns selbst wieder zuzuhören.

Wenn du wieder anfangen willst

Wenn du merkst, dass du nicht regelmäßig meditieren möchtest, sondern wieder mehr ins Spüren und in eine tragfähige Praxis kommen willst, dann ist mein Workshop „Vom Kopf zurück ins Spüren“ vielleicht ein guter nächster Schritt.

In diesem Workshop geht es darum, dein Nervensystem besser wahrzunehmen, aus dem reinen Funktionieren auszusteigen und wieder mehr Kontakt zu deinem Körper zu bekommen. Über einfache Impulse, kleine Übungen und einen Raum, in dem du dich wieder selbst spüren darfst.

Wir schauen gemeinsam darauf, wie du merkst, dass du dich von dir entfernst, welche Signale dein Körper sendet und was dir helfen kann, wieder in deine individuelle Balance zu kommen.

Manchmal beginnt Veränderung mit einer großen Entscheidung.

Und manchmal mit einem Atemzug, der dich wieder ins Hier und Jetzt zurückholt.

Hier geht es zum Workshop „Vom Kopf zurück ins Spüren“

Bild von Indira Gupta

Indira Gupta

Hi, ich bin Indira – LifeSurfer und Coach für mentale Gesundheit.
Ich begleite Menschen, die im Privaten wie im Beruf vor großen Wellen stehen. Mit traumasensiblem Coaching, EMDR und Mentoring unterstütze ich sie dabei, innere Stärke, Verbundenheit und Leichtigkeit zu finden.
Coaching, Workshops & Retreats für bewusste Führung und mentale Gesundheit.
www.life-surfer.de

2 Kommentare

  1. Liebe Indira,

    du triffst mit diesem Artikel einen wunden Punkt, den viele kennen – und den in unserer Branche trotzdem kaum jemand laut ausspricht: die Lücke zwischen Wissen und Handeln. Ich arbeite täglich mit Menschen, die genau das beschreiben. Und ja, ich kenne diese Lücke auch aus eigener Erfahrung.
    Was mich hier besonders berührt, ist deine Offenheit. Denn genau das baut echtes Vertrauen auf: Nicht das Bild von jemandem, der alles im Griff hat, sondern das Bild von jemandem, der weiß, wie es geht, und trotzdem manchmal strauchelt. Das ist zutiefst menschlich. Und es zeigt, dass Wissen eben kein Schutz vor menschlichen Verhaltensmustern ist – bei unseren Klienten nicht, und bei uns selbst nicht.

    Von Herzen
    Pia

    1. Liebe Pia,
      ich danke dir für deinen Rückmeldung. Ich habe lange überlegt, on ich diesen Blog schreiben soll. Wie du schon sagst – ich weiß doch wie es geht und erwarten das nicht auch Klienten?
      Ich habe mir entschieden authentisch zu bleiben. Ich bin Mensch und nicht Maschine – so wie jede KlientInnen, die ich begleiten darf.
      Herzliche Grüße
      Indira

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