Hitze macht mir normalerweise wenig aus. Feuchte Wärme, deutsche Sommer, Spanien im August — ich komme damit gut zurecht. Aber bei Hitze arbeiten zu müssen war letzte Woche eine andere Erfahrung. Ende der Woche war es ab mittags im Haus so heiß, dass sich meine Gedanken anfühlten, als würden sie durch warmen Honig waten. Sätze kamen nicht. Entscheidungen kosteten doppelt so viel Kraft wie sonst. Für einen guten Text fehlte mir die geistige Beweglichkeit.
Mein Körper hat mir das klar gesagt. Ich habe zugehört. Also habe ich an mehreren Nachmittagen einfach aufgehört zu arbeiten.
Das schlechte Gewissen hat trotzdem angeklopft — kurz, aber zuverlässig. Mein Kalender sah keinen Hitzemodus vor, auf dem Schreibtisch lagen Aufgaben. Ich habe es wahrgenommen und bin nicht in die Falle getappt. Ich habe in den letzten Jahren gelernt, gut zuzuhören und den Körper ernst zu nehmen, bevor er lauter werden muss.
Was dabei hilft, ist eine schlichte Frage: Was muss heute wirklich noch sein — und was fühlt sich nur dringend an?
Kurzantwort: Was hilft beim Arbeiten bei Hitze?
Anspruchsvolle Aufgaben lassen sich möglichst in die kühleren Morgenstunden legen.
Später hilft es, genau zu unterscheiden: Was muss heute erledigt werden, und was darf bis morgen warten? Regelmäßiges Trinken, kühlere Pausenorte, abgedunkelte Räume und ein früherer Feierabend entlasten Körper und Kopf.
Beschäftigte brauchen dafür Arbeitsbedingungen, die ihre Gesundheit schützen und bei großer Hitze weniger Leistung zulassen.
Was muss heute noch sein?
Manche Aufgaben lassen sich verschieben. Andere müssen erledigt werden, auch wenn sich jeder Gedanke anfühlt, als würde er durch warmen Honig waten.
Die Frage, die mir in diesen Momenten hilft: Was ist heute wirklich notwendig — und was fühlt sich nur dringend an?
Eine wichtige Mail musste geschrieben werden. Ein vereinbarter Termin fand statt. Alles andere durfte warten.
Diese Unterscheidung klingt einfach. Unter Druck verlieren wir sie trotzdem schnell — weil wir jede offene Aufgabe behandeln, als hätte sie dieselbe Dringlichkeit. Gerade bei Hitze lohnt es sich, genauer hinzusehen und die verfügbare Kraft bewusst einzusetzen.
Ich sage das aus einer privilegierten Position. Als Freiberuflerin kann ich weitgehend selbst entscheiden, wann und wie lange ich arbeite. Viele Menschen im Angestelltenverhältnis haben diesen Spielraum nur eingeschränkt. Sie können ihren Arbeitstag nicht am Mittag beenden, obwohl das Büro aufgeheizt ist und die Konzentration längst nachlässt. Deshalb darf Hitzeschutz am Arbeitsplatz nicht allein davon abhängen, wie gut einzelne Menschen ihre Grenzen wahrnehmen und vertreten können.
Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin weist darauf hin, dass Hitze am Arbeitsplatz die Leistungsfähigkeit mindern kann, und empfiehlt unter anderem angepasste Arbeitszeiten, zusätzliche Pausen, ausreichendes Trinken und eine Verringerung innerer Wärmelasten. Mehr dazu findet sich in den Empfehlungen für die Arbeit an heißen Sommertagen.

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Hitze ist keine Frage der Disziplin
Unser Körper arbeitet bei hohen Temperaturen ständig daran, seine Kerntemperatur zu regulieren. Das kostet Energie — Energie, die dann nicht mehr für Konzentration, Entscheidungen oder kreatives Denken zur Verfügung steht. Das ist Biologie, kein Charakterfehler.
Das Umweltbundesamt beschreibt die hitzebedingte Minderung der Leistungsfähigkeit als wachsende Belastung für Menschen, die in Gebäuden oder im Freien arbeiten. Mehr als 40 Prozent der Befragten einer Umweltbewusstseinsstudie erwarteten starke oder sehr starke Auswirkungen von Hitze auf ihre berufliche Leistungsfähigkeit.
Mein träger Kopf war also kein Zeichen fehlender Motivation. Mein Körper setzte seine Energie dort ein, wo sie gebraucht wurde.
Ich beobachte in meiner Arbeit als Coach immer wieder, wie schwer genau das fällt: nicht erst dann zu stoppen, wenn der Körper schreit — sondern früh, wenn er flüstert. Unser Körper erzählt uns ständig etwas. Über Grenzen, über Bedürfnisse, über das, was gerade zu viel ist. Wir haben nur oft verlernt, zuzuhören. Oder nie gelernt, dass wir das dürfen.
Das schlechte Gewissen meldet sich fast immer. Die Frage ist nur, ob wir ihm glauben — oder ob wir gelernt haben, es wahrzunehmen, ohne ihm zu folgen.
Für sich sorgen ist keine Schwäche. Auf sich Rücksicht nehmen ist keine Faulheit. Es ist das Einzige, was langfristig stärkt.

Bei Hitze arbeiten heißt manchmal: Feierabend am Nachmittag
Ich arbeite grundsätzlich ungern am Abend. Diese Zeit gehört für mich der Erholung, meinem Privatleben und allem, was nach einem Arbeitstag wieder Weite in den Kopf bringt.
Während einer Hitzewelle verändert sich mein Rhythmus trotzdem. Anspruchsvolle Aufgaben erledige ich dann möglichst früh. Am Mittag prüfe ich neu, was noch Aufmerksamkeit braucht — und ob der Arbeitstag vielleicht schon zu Ende sein darf.
Manchmal lässt sich Arbeit auch in den Abend verschieben. Das funktioniert allerdings nur, wenn die Temperaturen tatsächlich sinken und die Räume wieder erträglich werden. In der vergangenen Woche war davon wenig zu spüren. Die Wände hatten die Wärme gespeichert, die Luft stand, und selbst am Abend fühlte sich mein Arbeitszimmer wie ein überhitztes Gewächshaus an.
Der Deutsche Wetterdienst bezieht bei seinen Hitzewarnungen deshalb auch die nächtliche Abkühlung der Innenräume ein. Bleiben Räume nachts heiß, schlafen Menschen schlechter und können die Belastung am folgenden Tag weniger gut ausgleichen. Das Bundesumweltministerium nennt beeinträchtigten Schlaf, geringere Konzentrationsfähigkeit und sinkende Arbeitsleistung als mögliche Folgen großer Hitze.
An solchen Tagen bringt es wenig, stundenlang auf eine produktive Abendphase zu hoffen, die gar nicht kommt. Ein kurzer Arbeitstag ist dann die klügste Entscheidung.
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Was mir bei der nächsten Hitzewelle hilft
Für die nächste Hitzeperiode passe ich meinen Arbeitstag früher an — nicht erst, wenn mein Körper bereits streikt. Das ist keine Frage der Disziplin, sondern der Selbstkenntnis. Wer bei Hitze arbeiten muss, braucht keine Durchhaltestrategien, sondern einen klaren Blick dafür, was der Körper gerade braucht.
Konkret bedeutet das: anspruchsvolle Aufgaben in die frühen Morgenstunden legen, früh lüften und die Räume danach abdunkeln, regelmäßig trinken, bevor Durst entsteht. Zwischendurch Nacken, Unterarme oder Füße kühlen. Dringendes von Verschiebbarem trennen — und wichtige Entscheidungen vertagen, wenn das Denken zäh wird. Am Nachmittag Feierabend machen, wenn konzentriertes Arbeiten nicht mehr möglich ist.
Das klingt nach Selbstverständlichkeiten. Und trotzdem fällt es vielen schwer — weil das schlechte Gewissen schneller da ist als das Körperbewusstsein.
Der Deutsche Wetterdienst empfiehlt ebenfalls, Räume dann zu lüften, wenn es draußen kühler ist als drinnen, sie vor direkter Sonneneinstrahlung zu schützen und bei Bedarf kühlere Orte aufzusuchen. Aktuelle Warnungen bietet das Hitzewarnsystem des Deutschen Wetterdienstes.
Hitze wird Teil unserer Arbeitsplanung
Hitzewellen sind kein seltenes Sommerphänomen mehr. Der Klimawandel führt nachweislich zu mehr extremer Hitze am Tag und in der Nacht, wie das Umweltbundesamt zu den Gesundheitsrisiken durch Hitze schreibt.
Damit verändert sich auch die Frage, wie wir Arbeit organisieren. Flexible Arbeitszeiten, kühlere Räume, zusätzliche Pausen und realistische Erwartungen an die Leistungsfähigkeit werden in heißen Phasen immer bedeutsamer.
Wie sinnvoll ist es, bei 35 Grad dasselbe Tempo, dieselbe Konzentration und dieselbe Entscheidungsfähigkeit von Menschen zu erwarten wie an einem kühlen Frühlingstag?
Selbstständige können ihren Kalender ausdünnen oder früher Feierabend machen. Arbeitgeber tragen die Verantwortung, Beschäftigten passende Bedingungen zu geben. Hitzeschutz darf nicht am schlechten Gewissen oder am Durchhaltevermögen Einzelner hängen.
Mein wichtigstes Ergebnis der vergangenen Woche stand auf keiner Aufgabenliste: Ich habe früh genug unterschieden zwischen dem, was erledigt werden musste, und dem, was warten durfte.
Manchmal zeigt sich Selbstführung genau dort.

Wenn dein Körper längst deutlicher spricht als dein Kopf
Unser Körper erzählt uns ständig etwas — über Grenzen, über Bedürfnisse, über das, was gerade zu viel ist. Bei Hitze wird diese Sprache lauter. Aber das Muster dahinter ist dasselbe wie bei Stress, Erschöpfung oder allem, was sich im Alltag stapelt.
Im Coaching begleite ich Menschen dabei, früher hinzuhören. Nicht erst, wenn der Körper schreit — sondern wenn er flüstert. Belastungsgrenzen wahrzunehmen, Prioritäten neu zu ordnen, für sich zu sorgen ohne schlechtes Gewissen. Das ist erlernbar. Und es verändert, wie man durch schwierige Phasen geht.
Du darfst auf dich hören. Du darfst für dich sorgen.
Mehr über mein Persönliches Coaching für Mentale Gesundheit findest du hier.
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