Gestern stand ich im Rahmen des Weltfrauentag 2026 bei der Veranstaltung Female Revolution im RheinRiff in Düsseldorf.
Ein Event mit vielen beeindruckenden Frauen.
Unternehmerinnen. Gründerinnen. Kreative. Mütter. Visionärinnen.
Gespräche über Ideen, Projekte und Dinge, die entstehen wollen.
Solche Gespräche haben eine besondere Energie.
Sie zeigen, was entstehen kann, wenn Frauen sich gegenseitig Raum geben und einander ernst nehmen.
Und gleichzeitig höre ich in meiner Arbeit auch andere Geschichten.
Einmal pro Woche arbeite ich bei FemAntes, der Praxis für ganzheitliche Frauenheilkunde und Gesundheit in Köln. Dort begleite ich Frauen als traumasensibler Coach und EMDR-Coach.
Viele Frauen erzählen von Erschöpfung.
Von Verantwortung.
Von dem Gefühl, immer funktionieren zu müssen.
Viele von ihnen haben gelernt, stark zu sein.
Wenige haben gelernt zu verstehen, wie ihr Nervensystem arbeitet.
Warum der Körper reagiert, wenn Stress zu lange anhält.
Warum Erfahrungen aus der Vergangenheit auch Jahre später noch spürbar sein können.
Der Weltfrauentag 2026 erinnert mich daran, wie unterschiedlich Stärke aussehen kann.
Meine eigene Erfahrung mit Stärke
Bevor ich meine heutige Arbeit aufgebaut habe, war ich viele Jahre in einer stark männerdominierten Industrie tätig.
In solchen Umfeldern gibt es klare Vorstellungen davon, wie man auftreten sollte: direkt, hart, unerschütterlich – im Hosenanzug.
Zu Beginn dachte ich, das gehöre dazu.
Dass man so sein müsse, um ernst genommen zu werden.
Relativ schnell habe ich gemerkt, dass mir dabei etwas verloren geht, denn Authentizität gehört zu meinen wichtigsten Werten.
Und irgendwann war klar: Ich möchte mich nicht verbiegen.
Ich wollte ich sein.
Mit meiner Art zu denken.
Mit meiner Sensibilität für Zusammenhänge.
Mit meiner Fähigkeit zuzuhören und Menschen wirklich zu verstehen.
Mit meiner Art, Beziehungen aufzubauen – auch Geschäftsbeziehungen.
Als ich begonnen habe, mich so zu zeigen, wie ich wirklich bin, hat sich etwas Interessantes gezeigt: Der Respekt blieb. In vielen Situationen wurde er sogar größer.
Nicht wegen Lautstärke oder Härte, sondern wegen Haltung.
Weil ich zugehört habe.
Weil ich klar und wertschätzend war.
Weil ich Verbindungen geschaffen habe, wo andere Mauern gebaut haben.
Diese Zeit hat mir viel über Stärke beigebracht.
Stärke entsteht oft dort, wo Menschen sich selbst treu bleiben.
Stärke im Kontext von Gleichberechtigung
Meine Erfahrungen sind geprägt von den Kontexten, in denen ich gelebt und gearbeitet habe. Gleichzeitig weiß ich, dass diese Erfahrungen nicht für alle Frauen gelten.
In vielen Ländern und gesellschaftlichen Systemen erleben Frauen weiterhin massive Ungerechtigkeit – bei Bezahlung, bei Rechten, bei Sicherheit und bei Sichtbarkeit.
Auch in Deutschland zeigt sich Gleichberechtigung noch längst nicht überall.
Der Gender Pay Gap, die geringe Anzahl von Frauen in Führungspositionen, die ungleiche Verteilung von Care-Arbeit oder geschlechtsspezifische Gewalt sind reale Themen.
Der Weltfrauentag macht sichtbar, wie weit wir bereits gekommen sind. Und er erinnert gleichzeitig daran, dass viele Entwicklungen noch Zeit und Engagement brauchen.
Was ich am Weltfrauentag 2026 sehe
Ich sehe Frauen, die viel tragen – oft mehr, als im Außen sichtbar wird.
Nicht nur Termine, To-do-Listen und Care-Arbeit.
Auch Erwartungen, Rollenbilder und unausgesprochene Ansprüche.
Ich sehe Frauen, die Meetings moderieren, Familien organisieren, Krisen auffangen und Projekte vorantreiben – und sich selbst dabei häufig an die letzte Stelle setzen.
Viele von ihnen funktionieren noch lange weiter, obwohl der Körper längst Signale sendet.
In meinen Sitzungen erlebe ich, was das mit einem Nervensystem macht.
Wenn der Körper dauerhaft im „Weiter, weiter, weiter“ bleibt, verschwimmen irgendwann die Grenzen zwischen normalem Stress und echtem Alarmzustand.
Schlafstörungen, innere Unruhe, körperliche Beschwerden – all das ist oft kein Zeichen von Schwäche, sondern eine logische Folge von Dauerbelastung und ein Hilferuf des Nervensystems.
Der Weltfrauentag ist für mich deshalb kein bunter Feiertag, sondern ein Brennglas.
Er macht sichtbar, wie viel Frauen leisten – und wie wenig sich die Rahmenbedingungen bisher wirklich angepasst haben.
Mein Blick auf Feminismus
Feminismus ist für mich kein Label, sondern eine Haltung.
Es geht nicht darum, „bessere Männer“ zu werden, sondern darum, dass alle Menschen die gleichen Rechte, Chancen und die gleiche Würde haben.
Wenn ich von Gleichwürdigkeit spreche, meine ich:
Das Leben, die Erfahrungen und die Bedürfnisse von Menschen sind gleich wichtig, wertvoll und relevant – unabhängig von Geschlecht, Identität oder sexueller Orientierung.
Das gilt für alle Menschen gleichermaßen – in der Familie, in Unternehmen, in der Politik, in der Medizin und in der psychischen Gesundheit.
Trotz aller Fortschritte ist die Realität klar:
Frauen verdienen im Durchschnitt weniger, sind seltener in Führungspositionen, tragen mehr unbezahlte Sorgearbeit und sind häufiger von geschlechtsspezifischer Gewalt betroffen.
In vielen Teilen der Welt kämpfen Frauen noch immer um grundlegende Rechte, die eigentlich selbstverständlich sein sollten.
Vor diesem Hintergrund bedeutet Feminismus für mich auch, dass wir aufhören, strukturelle Probleme zu individualisieren.
Es ist nicht „die einzelne Frau“, die zu empfindlich, zu ambitioniert oder zu wenig belastbar ist.
Oft stimmt einfach das System nicht – es fehlt die Menschlichkeit.

Was wir uns nicht mehr antun müssen
Ich wünsche mir, dass wir als Frauen ein paar Dinge bewusst hinter uns lassen – nicht als weiteren Punkt auf der To-do-Liste, sondern als Entscheidung für Würde:
- Den Reflex, immer alles erklären und rechtfertigen zu müssen.
- Die Idee, dass Erschöpfung ein persönliches Versagen ist, statt ein Signal.
- Das automatische „Ja“, obwohl der Körper längst „Nein“ sagt.
- Die Rolle der „Starken“, die alles trägt, damit es für alle anderen leichter ist.
Stärke heißt für mich nicht, alles auszuhalten.
Stärke heißt, Grenzen zu setzen, Hilfe anzunehmen und sich selbst genauso ernst zu nehmen wie alle anderen.
Was entstehen kann
Ich erlebe in meiner Arbeit immer wieder, wie viel Kraft in Frauen steckt.
Empathie. Verantwortungsgefühl. Führungskraft. Intuition. Kreativität.
Diese Fähigkeiten entfalten Wirkung, sobald Frauen ihnen Raum geben.
Wenn sie beginnen zu verstehen, wie ihr Nervensystem funktioniert, verändern sich Entscheidungen, Beziehungen und oft auch berufliche Wege.
Viele Entwicklungen beginnen dort, wo Frauen einander zuhören, Erfahrungen teilen und einander ermutigen.
Wenn Frauen ihre Sensibilität nicht länger verstecken, sondern als Stärke anerkennen, verändern sich auch die Räume, in denen sie wirken – Teams, Familien, Organisationen.
In den nächsten Wochen
In den kommenden Wochen entstehen genau solche Räume.
Am 21. März leite ich gemeinsam mit Katja Friedrich den Workshop
„Vom Kopf zurück ins Spüren“ im Raum & Zeit für Gesundheit in Köln.
Dort verbinden wir verständliches Wissen über das Nervensystem mit achtsamen Körperübungen, Yin Yoga und Momenten der Reflexion – eine Einladung, wieder wahrzunehmen, was der eigene Körper eigentlich schon lange sagt.
Am 31. März findet in der Praxis FemAntes das Event
„Selbstliebe ist Fürsorge“ statt.
An diesem Abend geht es darum, Selbstfürsorge aus einer neuen Perspektive zu betrachten – nicht als weiteres To-do, sondern als Grundlage für mentale Gesundheit, stabile Beziehungen und ein Leben in Balance.
Beide Veranstaltungen beschäftigen sich mit etwas, das im Alltag vieler Frauen zu kurz kommt:
Dem eigenen Körper wieder zuzuhören.
Zum Weltfrauentag
Der Weltfrauentag erinnert mich daran, wie viel Kraft in Frauen steckt – und wie viel noch zu tun bleibt.
Frauen gestalten Unternehmen.
Sie führen Familien.
Sie entwickeln Projekte.
Sie begleiten andere Menschen durch schwierige Lebensphasen.
Und sie beginnen zunehmend, sich selbst dabei mitzudenken.
Vielleicht liegt genau hier eine leise, aber wirksame Revolution:
Wenn Frauen sich zeigen, ihre Fähigkeiten einsetzen, ihre Grenzen achten und einander unterstützen.
Aus vielen kleinen Bewegungen entsteht manchmal etwas Größeres.
Manchmal leise.
Manchmal deutlich spürbar.
Und oft stärker, als man zunächst vermutet.
2 Kommentare
Wow, vielen Dank für diesen stärkenden, liebevollen und heilsamen Beitrag. Vor allem habe ich mich darüber gefreut, dass du die Erfahrung gemacht hast, dass der Respekt nicht verloren ging, als du Haltung gezeigt hast, und konsequent du selbst warst. Das ist so ermutigend und ich wünschte, mehr Frauen würden das realisieren.
Liebe Grüße
Angela
Danke für deine Rückmeldung, Angela.
Da gebe ich dir Recht. Ich hoffe, dass mehr Frauen das erfahren.
Wir müssen einfach konsequent zu unserer Haltung stehen und diese mit gegenseitigem Respekt vermitteln. Wir dürfen mutig sein, denn wir haben alle schon Hürden in unserem Leben gemeistert. Darauf können wir stolz sein und das dürfen wir auch zeigen.
Liebe Grüße zu dir.
Indira